Während die Zahlungslandschaft für Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich vereinfacht wurde, verzeichnen globale Multibanking-Lösungen weiterhin Zuwächse. 23 Prozent der befragten Unternehmen, die an der Umfrage B2B Payments & Working Capital Management Survey 2017 von Strategic Treasurer teilnahmen, gaben an, Zahlungen über elf oder mehr Banken abzuwickeln. Der Umfrage zufolge sind zudem über 24 Prozent in einer der wichtigsten Weltregionen tätig.

Finanzverantwortliche haben alle Hände voll zu tun. Die beschleunigte Geschäftstätigkeit in immer mehr Ländern stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Der Aufbau globaler Konnektivität ist mitunter ein komplizierter Prozess. Finanzleiter von Unternehmen benötigen Produkte und Dienstleistungen, mit denen Multibanking effektiv, effizient und erschwinglich gestaltet werden kann. Aufgrund der unzureichenden Standardisierung von Kommunikation und Formaten kann sich dies jedoch als mühsames Unterfangen darstellen. Allein das Ermitteln der Unterschiede zwischen den verfügbaren Dienstleistungen kann mehr Zeit in Anspruch nehmen, als Finanzleitern zur Verfügung steht.

Zwar schlagen FinTech-orientierte Systeme für den globalen Zahlungsaustausch wie RippleNet derzeit hohe Wellen und API-Verbindungen sorgen in atemberaubendem Tempo für technologische Innovationen im Bankensektor. Wenn es jedoch darum geht, wie sich Multibanking-Konnektivität und das Gegenparteirisiko weltweit am besten verwalten lassen, ziehen die meisten Unternehmen lediglich drei Hauptmethoden in die engere Auswahl.

SWIFT for Corporates

Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) bietet ein Netzwerk, über das Finanzinstitute weltweit Informationen zu Finanztransaktionen in einer sicheren, standardisierten und zuverlässigen Umgebung senden und empfangen können. SWIFT ist ein weithin anerkannter Standard für den Nachrichtenverkehr. SWIFT for Corporates soll Multibanking für Finanzverantwortliche vereinfachen. Das Standardised Corporate Environment (SCORE) basiert auf einer geschlossenen, von SWIFT verwalteten Benutzergruppe, innerhalb derer Unternehmen mit Finanzinstituten interagieren können. Unternehmen erhalten Konten mit einem eindeutigen SWIFT Business Identifier Code (BIC), der eine direkte Verbindung mit der Bank ermöglicht, bei der die Mittel gehalten und die Zahlungen ausgeführt werden.

EBICS

Der Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) ist ein internetbasierter Kommunikations- und Sicherheitsstandard. Er wird hauptsächlich für den Remote-Datentransfer, etwa den geschäftlichen Zahlungsverkehr zwischen einem Unternehmen und einer Bank, genutzt und stellt eine Alternative zu SWIFT dar. EBICS 3.0 wurde 2017 am Markt eingeführt und ermöglicht es Banken, einen standardisierten Zugang für mehrere Länder anzubieten, der auf einer einzigen standardisierten und vollständig harmonisierten Infrastruktur besteht und auch für Clearing-Zugänge im Rahmen von Zahlungen mittels Single Euro Payments Area (SEPA) genutzt werden kann. Die Nutzung von EBICS ist derzeit zwar lediglich in Deutschland verbindlich, andere Länder, darunter Frankreich und die Schweiz, haben das Protokoll jedoch ebenfalls übernommen und es hat das Potenzial, sich zu einem europäischen Standard zu entwickeln.

Host-to-Host (H2H)

Eine Host-to-Host-Verbindung erfordert eine direkte Verbindung mit jeder einzelnen Bank und basiert auf dem von der jeweiligen Bank genutzten Standard. Diese Verbindungen ermöglichen den automatischen Transfer und die Verarbeitung von Zahlungen bei der Bank. Für jede Bank besteht eine zentrale Schnittstelle, die eine einfachere Verbindung mit dem Treasury-Management- oder ERP-System des Unternehmens am Back-End bzw. die Datenübertragung zwischen diesen Systemen ermöglichen kann.

Die Vor- und Nachteile auf dem Prüfstand

Was ist die beste Wahl? Es gibt keine Patentlösung für alle Unternehmen. Betrachten Sie die derzeitige Arbeitsweise Ihrer Treasury- und Accounting-Abteilungen und berücksichtigen Sie potenzielle Pläne für ein zukünftiges Wachstum (oder Konsolidierungspläne). Dabei sollten einige Punkte beachtet werden:

Direkte SWIFT-Verbindungen bieten zwar die nötige Multibanking-Konnektivität, erfordern jedoch auch erhebliche Investitionen – sowohl finanziell als auch in Bezug auf Zeit und Ressourcen. Das Bank-Readiness-Programm von SWIFT hilft Unternehmen dabei, Banken zu finden, die über Know-how und Fähigkeiten im Bereich SWIFT verfügen. Den jeweiligen Level-of-Readiness einzelner Banken zu ermitteln, kann jedoch mit viel Zeit und Aufwand verbunden sein. So kann sich eine Bank zwar im SWIFT-Netzwerk befinden und dennoch ist eine Anbindung über das Lead-Bank-Modell erforderlich.

Unternehmen haben zum einen die Option, die Verknüpfung mit SWIFT über eine SWIFT-Community-Cloud-Verbindung zu realisieren, die im Allgemeinen auch als SWIFT-Alliance-Lite2-Zugang bekannt ist. Die Gebühren richten sich nach Volumenbändern. Diese Lösung kann sich für Unternehmen eignen, die nicht mit grösseren Fluktuationen oder Skalierbarkeitsanforderungen rechnen, schliesst aber automatisch Unternehmen aus, die Marktwachstum erfahren bzw. anstreben oder alternative Netzwerke nutzen. Das SWIFT-Service-Bureau-Modell ist eine weitere Option. Unternehmen haben die Möglichkeit, zur Wartung und Verwaltung ihres SWIFT BIC eine (von SWIFT geprüfte) Drittpartei zu beauftragen. Für Unternehmen, die sich auf Wachstumskurs befinden und kein umfangreiches IT-Team für die Verwaltung ihrer Finanzfunktion unterhalten möchten, kann dies die einfachste Lösung darstellen. Die SWIFT-Service-Bureau-Option eignet sich besonders für grössere Unternehmen, die ein möglichst flexibles System benötigen. Hier sind massgeschneiderte Zusatzleistungen für diversifizierte ERP- und/oder TMS-Einrichtung innerhalb der Unternehmensgruppe möglich.

EBICS ist zwar noch kein globaler oder auch nur europäischer Standard, wird jedoch immer häufiger eingesetzt und bietet zudem einen wettbewerbsfähigen Preis. Für Banken in Deutschland, Frankreich und der Schweiz stellt EBICS einen sicheren Kommunikationskanal bereit, der den Konnektivitätsprozess vereinfachen kann. Darüber hinaus bietet EBICS höhere Flexibilität, da die Übertragung von Geschäften von einer Bank zur anderen für Unternehmen vereinfacht wird.

Host-to-Host-Verbindungen werden von den meisten Banken zwar zur Verfügung gestellt, können aber zeitaufwendig und komplex in der Implementierung sein: Das Host-to-Host-Onboarding kann sich unter Umständen schleppend vollziehen, weil noch keine einheitlichen Datenstandards, Formate und Validierungen zur Verfügung stehen. Für die Verwaltung und Wartung der Kanäle sind interne Ressourcen erforderlich. Trotz des potenziellen zusätzlichen Arbeitsaufwands können Host-to-Host-Verbindungen jedoch bei einem umfassenden Transaktionsvolumen, das bei einer überschaubaren Zahl von Banken abgewickelt wird, durchaus eine gute Wahl sein.

Ein Multikanal-Ansatz

Bei expandierenden  Unternehmen, insbesondere in Schwellenländer, kann ein Multikanal-Ansatz erforderlich werden. Die mangelnde Konsistenz von Formaten und Kommunikationsprotokollen, unterschiedliche Sprachen und Gepflogenheiten sowie eine häufig fehlende zugrunde liegende gemeinsame Infrastruktur resultieren allzu oft in einem Anstieg zeitaufwändiger manueller Prozesse. Dies mag zunächst wie ein Nachteil von Multikanal-Konnektivität erscheinen, ist aber im Grunde genommen das genaue Gegenteil. Der Einsatz von mehr als einem Bank-Konnektivitäts-Kanal ist aus mehreren Gründen eine gute Wahl:

Risikomanagement: Aus Sicht des Risikomanagements ist eine Diversifizierung von Vorteil, wenn Sicherheitsverletzungen oder unvorhersehbare Netzwerkausfälle oder -unterbrechungen eintreten.

Weltweite Abdeckung: Nicht alle Dienstleistungen stehen in jedem Land zur Verfügung, einige stellen jedoch gegebenenfalls die beste Wahl für eine bestimmte Region oder Zahlungsart dar.

Skalierbarkeit: Eine einzige Host-to-Host-Verbindung kann für ein kleines Unternehmen, das seinen Zahlungsverkehr über eine einzige Bank und in nur einem Land abwickelt, durchaus genügen, ist aber im Falle von Unternehmenswachstum nicht skalierbar.

Flexibilität: Mit mehreren Konnektivitätsoptionen sind Unternehmen anpassungsfähiger. Dadurch können sie Umfang und Reichweite Ihres Unternehmens schneller auf neue Bereiche ausweiten.

Verfügbarkeit der Dienstleistungen: Die Verfügbarkeit von Netzwerk-Dienstleistungen unterscheidet sich von Bank zu Bank. Es empfiehlt sich, bei den einzelnen Banken zu prüfen, welche Netzwerke von diesen überhaupt unterstützt werden, um in Bezug auf Kanal, Kosten und Umsetzung die bestmögliche Wahl zu treffen.

Formatverfügbarkeit: Nicht alle Zahlungen, Kontoauszüge oder Bankbestätigungen sind bei Ihren Banken über jeden Kanal verfügbar. Über ausgereifte Kanäle wie SWIFT FileAct lassen sich lokale, seit vielen Jahren genutzte Formate austauschen, während neuere Kanäle wie EBICS möglicherweise nur bestimmte ISO20022-Typen (XML-Standards) unterstützen.

Die Beauftragung eines Lösungsanbieters, etwa eines «Treasury-Aggregators», der Unterstützung in Bezug auf Kommunikationskanäle und Formate leistet, kann bei der Einführung von Banking-Konnektivitäts-Lösungen hilfreich sein und die kanalübergreifende Effektivität und Effizienz steigern. Das Outsourcing an eine Drittpartei kann Ihren internen Ressourcen Zeit- und Kosteneinsparungen ermöglichen und bietet gleichzeitig den Vorteil fundierter Branchenkenntnisse und eines bewährten marktbasierten Ansatzes.

Zusammenarbeit für grössere Reichweite und höhere Effizienz

Um Multibanking-Konnektivität über mehrere Kanäle hinweg zu erzielen, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem geeigneten Lösungsanbieter. Jederzeit Nachrichten und Zahlungen in beliebigen Formaten an jedes Finanzinstitut der Welt zu senden, muss kein unüberwindbares Hindernis sein. Ein unabhängiger Anbieter von Konnektivitätslösungen kann Ihnen dabei helfen, die optimale Auswahl von Kanälen für Ihr Unternehmen zu ermitteln und Sie bei der Einrichtung und der Kommunikation unterstützen – ganz in dem von Ihnen benötigten Mass. Am Ende stehen schlanke Prozesse, die Ihrem Unternehmen zu schnellerem Wachstum und grösserer Reichweite verhelfen.

Fides stellt das grösste globale Bank-Konnektivitätsnetzwerk der Welt bereit. Mit einer Anbindung von über 10’000 Banken in mehr als 170 Ländern ermöglicht Fides die Kommunikation über jeden beliebigen Kanal, einschliesslich SWIFT, EBICS und H2H, und unterstützt sämtliche Formate (alle SWIFT-MT-Formate, ISO20022, ACH, EDI, AFB, DTA, ABA und viele weitere). Als SWIFT Service Bureau unterstützt Fides qualifizierte Unternehmen, die eine Mitgliedschaft bei SWIFT for Corporates wünschen. Als unabhängige Tochtergesellschaft der Credit Suisse kann Fides durch die Nutzung des SWIFT-Lead-Bank-Modells zudem für Konnektivität über das SWIFT-SCORE-Netzwerk hinaus sorgen.

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