Der Begriff «aufstrebende Technologien» ist in den letzten zehn Jahren zu einem Schlagwort geworden, um innovative – und potenziell disruptive – digitale Software, Hardware, Prozesse und Services zu beschreiben.

In den letzten Jahren sind vier dieser Technologien für Treasury-Experten zentral geworden: künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (KI/ML), Blockchain, Predictive Analytics und Prozessautomatisierung mithilfe von Robotern (Robotic Process Automation, RPA). Gleichzeitig wuchs der Bedarf für mehr Sicherheit und Betrugsprävention mit neuen Authentifizierungsmethoden, die das Treasury von Grund auf verändern können.

Es ist zwar sicher, dass sich diese Technologien weiterentwickeln werden, sie sind aber nicht mehr nur die Zukunft des Treasury: Es gibt sie heute schon, und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben.

Relevanz neuer Technologien – von Treasury-Experten bewertet

Anfang dieses Jahres haben wir Fides-Kunden und -Partner zu Treasury-Trends befragt. Die Teilnehmer wurden unter anderem gebeten, vier neue Technologien nach ihrer Relevanz für den Treasury-Bereich in den kommenden 12 bis 24 Monaten einzustufen und eine Rangfolge zu erstellen. Predictive Analytics und RPA konnten sich knapp vor KI/ML den ersten bzw. zweiten Platz sichern, Blockchain landete abgeschlagen auf dem vierten Platz.

  • Für das Treasury kann KI/ML verwendet werden, um operationelle Risiken wie auch Gegenparteirisiken zu überwachen sowie zur generellen Optimierung des Cash Managements . KI kann zur Beschleunigung manueller Aufgaben wie der Abstimmung dienen und Muster erkennen, wodurch Anomalien schnell erkannt und gemeldet werden können, die ein Anzeichen für betrügerische Aktivitäten sein könnten. Maschinelles Lernen nutzt gewaltige Datenmengen zur Identifizierung tiefer liegender Muster. Allerdings sind Prognosen ohne ausreichende Daten unter Umständen nicht unvoreingenommen, da Erkenntnisse auf die Daten und Muster beschränkt sind, die die KI bereits kennt.
  • Predictive Analytics ist eine Anwendung von KI/ML, welche Treasury-Analysten bei Datenanalysen unterstützt, die tiefer gehen als je zuvor und damit hochgradig komplexe Risikoszenarien erarbeiten, Liquidität modellieren und Cashflow-Prognosen erstellen.
  • Blockchain war als Grundlage von Kryptowährungen vor einigen Jahren in aller Munde. Unabhängig von Kryptowährungen hat die Distributed-Ledger-Technologie das Potenzial zur Optimierung von Supply Chain Management, Zahlungen, Cash Management und Positionierung und kann als leistungsstarke Grundlage von Know Your Client (KYC) und der Verhinderung von Geldwäscherei dienen. SWIFT hat im vergangenen Jahr das GPI-Zahlungsnetzwerk für Blockchain-Technologie geöffnet.
  • RPA ist die nächste Stufe der Automatisierung: Es optimiert repetitive Prozesse und reduziert den manuellen Aufwand durch den Einsatz von KI-gesteuerten Bots. Der Lebensversicherungsriese Allianz wandte sich vor ein paar Jahren RPA zu, als er «erkannte, dass es aufwändig, teuer und nicht zweckmässig ist, in traditionelle, API-basierte Integration zu investieren, um dasselbe Ergebnis zu erzielen».

Trotz der Fortschritte bei der API-Entwicklung, die durch Open Banking und dem Wunsch nach offenen Finanztechnologie-Ökosystemen vorangetrieben werden, gehören APIs immer noch zur Kategorie der aufstrebenden Technologien.

Derzeit steuern APIs oft noch zur Komplexität von Unternehmen bei, die mehrere dezentrale Bankverbindungen gleichzeitig nutzen. Letztendlich werden sie die Tür für den Austausch von Daten und Zahlungen in Echtzeit öffnen, aber der aktuelle Mangel an API-Standards stellt eine gewaltige Herausforderung dar: Jede Bank, jedes Finanzinstitut und jeder FinTech- und Softwareanbieter hat aktuell noch einen eigenen Standard. Das bedeutet, dass es immer noch keine echten «Plug and Play»-Möglichkeiten gibt. Dennoch gehen wir davon aus, dass die API-Nutzung weiter zunehmen wird, und unterstützen den Kanal vollständig mit Fides-APIs für Banken und Partner.

Die nächste Generation der Authentifizierung

Es ist immer seltener der Fall, dass Passwörter die einzige Authentifizierungsmöglichkeit für den Zugriff auf ein System sind, in dem personenbezogene Informationen gespeichert sind. Selbst wenn die IT das Ändern von Passwörtern in regelmässigen Abständen obligatorisch macht, können Benutzer ihre neuen Passwörter vergessen, sie aufschreiben, dasselbe Passwort für mehrere Zugänge verwenden oder Passwörter nutzen, die für Hacker leicht zu erraten sind. Die Methoden von Cyberkriminellen werden immer raffinierter und deswegen werden neue Technologien entwickelt, die die Authentifizierung noch sicherer gestalten.

  • Im Unternehmensbereich werden aufgrund von IT-Governance und Sicherheitsvorkehrungen und bei Konsumenten aufgrund von Online-E-Commerce-Betrug – Tools wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) – wobei zusätzlich zu einem Passwort bei jeder Anmeldung ein per SMS oder E-Mail erhaltener Code eingegeben werden muss – immer beliebter. Fides erfordert für den Zugriff auf die Fides-Multibanking-Suite, Fides ARS und Fides EFT Zwei-Faktor-Authentifizierung und prüft weitere Technologien, die in Zukunft ebenfalls eingesetzt werden könnten.
  • Mit passwortloser Authentifizierung muss der Benutzer sich kein Passwort mehr merken. Stattdessen nutzt er einen öffentlichen Schlüssel (beispielsweise eine Benutzererkennung) und einen privaten Schlüssel (z. B. einen Token-Code, der mit sicherer Software auf dem Handy des Benutzers generiert wird, einen Fingerabdruck oder ein SMS). Dieses Vorgehen ähnelt zwar der MFA, eliminiert aber das passwortbezogene Risiko vollkommen.
  • Biometrie umfasst Spracherkennung, den Fingerabdruck oder einen Iris-Scan (Augenscan) als Identitätsnachweis. Viele Mobilgeräte, Apps, und Retailbanken nutzen mittlerweile die Fingerabdruckerkennung, um so keine Passwörter verwenden zu müssen.
  • Die Gesichtserkennung ist eine Weiterentwicklung der Biometrie. Hier muss der Benutzer nichts Zusätzliches mehr tun. Mit Gesichtserkennungstechnologie werden Gesichtsmerkmale von einem Foto oder Video mit einer Datenbank bekannter Gesichter abgeglichen. Ein Beispiel hierfür ist die automatische Markierung von Fotos auf Facebook.

Es gibt zahlreiche potenzielle FinTech-Anwendungen zur Authentifizierung, die Auswirkungen auf Treasury-Systeme und -Prozesse haben können. Beispielsweise nutzt im Zahlungsbereich Incode Gesichtserkennungstechnologie zur Verifizierung für Online- und Präsenzzahlungen, Banking, Onboarding und eine neue Plattform für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, die mit Technologie erkennt, ob der Benutzer eine Maske trägt.

Fides verfolgt aktiv Markttrends, Nachrichten und neue Technologien. Wir stehen im regelmässigen Dialog mit unseren Kunden, um zu erfahren, was für sie am wichtigsten ist, und mit unseren Partnern, um zu sehen, wo wir zusammen daran arbeiten können, gemeinsam neue, relevante Lösungen anzubieten.